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Sehr geehrte Eltern,


Sie planen den Umzug in eine Stadt und eine Region Italiens, die Ihnen und Ihren Kindern ein außerordentlich reichhaltiges Kulturangebot und unvergessliche landschaftliche Eindrücke in der näheren und ferneren Umgebung bieten wird.

Für Ihre Kinder will die Deutsche Schule Mailand eine Institution sein, an der sie ihre schulische Ausbildung weiterführen und, weil wir uns als Begegnungsschule verstehen, mit Klassenkameraden zusammen lernen werden, die italienischer Herkunft sind.

Sie und wir Lehrer müssen bedenken, dass Ihre Kinder, möglicherweise gegen ihren Willen und ihre Vorstellungen, eine sehr vertraute Umgebung verlassen müssen und den spontanen Kontakt zu ihren Freunden, Vereinskameraden, Familienangehörigen und anderen Bezugspersonen des täglichen Umgangs aufgeben müssen. Dieser Schritt fällt vielen sehr schwer, besonders in den Jahren, in denen sich die Persönlichkeit auszuprägen beginnt, sprich der Pubertät und der sich anschließenden Phase des Heranwachsens.

Mit diesem Brief möchten wir Sie auf einige Besonderheiten unserer Schule hinweisen, damit Sie erste Eindrücke gewinnen können und sich mit Ihren Kindern immer wieder einmal gut informiert darüber unterhalten können, was sie bei uns erwarten wird. Wir halten es für sehr wichtig, dass Sie mit Ihren Kindern über die auf sie zukommenden Veränderungen sprechen, denn je besser sie sich auf das Neue einstellen können, je besser sie auf den Wechsel der Umgebung, der Wohnung und des Landes vorbereitet sind, dessen Sprache sie nicht kennen, umso leichter wird es ihnen fallen, sich auf den einige Zeit beanspruchenden Prozess der Integration in die neue Klassengemeinschaft einzustellen.

Unsere Schule wird vom Kindergarten bis zur letzten Jahrgangsstufe von über tausend Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden besucht. Die große Mehrheit unserer Schüler kommt aus Familien, in denen Italienisch gesprochen wird. In dieser Sprache kommunizieren unsere Schüler folglich in den Pausen und außerhalb der Schulzeit, wenn sie sich besuchen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen.

Deutsch beginnen unsere italienischen Kinder zu lernen, wenn sie mit drei Jahren in den Kindergarten eintreten. Im Verlauf von drei Jahren müssen sie sich so gut unsere Sprache angeeignet haben, dass sie erfolgreich die Grundschule besuchen können. Wenn die Sprachkompetenz und das Leistungsvermögen den weiteren Besuch unserer Schule ermöglichen, treten sie ins Gymnasium ein, das nach deutschen Lehrplänen zur Abiturprüfung führt. Mit einer italienischen Erweiterungsprüfung, dem Esame integrativo, erwerben sie schließlich das angestrebte binationale Reifeprüfungszeugnis.

Wenn Ihre Kinder als Real- oder Hauptschüler eingestuft sein sollten, besuchen sie mit unseren Gymnasialschülern zusammen dieselben Klassen und erhalten Unterricht in allen Fächern, die am Ende der 10. Jahrgangsstufe zum entsprechenden Abschluss führen. Die Benotung erfolgt für diese Schüler nach den Kriterien, die der jeweiligen Schulform entsprechen. Die Zahl der Schüler, die, wie eben beschrieben, eingestuft sind und bei uns lernen, ist sehr gering.

Ihre Kinder müssen Italienisch lernen, das sieht das Abkommen zwischen den beiden Staaten vor, das die Rechtsstellung der drei Deutschen Schulen begründet, wenn sie bis zur 9. Jahrgangsstufe bei uns aufgenommen werden. Wir verstehen uns als Begegnungsschule, in der die Schüler, unabhängig von ihrer Muttersprache, immer gemeinsam unterrichtet werden. Ihre Kinder nehmen demzufolge nur in bestimmten Stunden des Regelunterrichts eine Ausnahmestellung ein: Während die anderen Schüler Italienischunterricht haben, besuchen sie parallel dazu mit den anderen Seiteneinsteigern Italienisch als Fremdsprache (IaF). Weitere Informationen über die Organisation dieses Unterrichts finden Sie auf unserer Website.

Sie und Ihre Kinder können sich bestimmt vorstellen, dass es den Schülern mit italienischer Muttersprache nicht leicht fällt, dem größten Teil des Fachunterrichts auf Deutsch zu folgen. Das ist sehr anstrengend und deshalb bieten die Pausen nicht nur körperliche, sondern auch Gelegenheiten zur Erholung von den sprachlichen Anstrengungen, weswegen sie sich meist in ihrer Muttersprache unterhalten und miteinander scherzen!

Damit unsere italienischen Schüler so gut Deutsch lernen, dass sie diese Sprache nicht mehr als Fremdsprache empfinden, sondern sie so selbstverständlich wie ihre Muttersprache benutzen können, fördern und unterstützen wir den Spracherwerb bis zum Ende der Mittelstufe. Wir Lehrer haben Geduld mit unseren italienischen Schülern und gehen nicht nur im Deutschunterricht, sondern auch im Fachunterricht auf Defizite in der Beherrschung des Deutschen und des Fachvokabulars ein. Ihre Kinder könnten sich deshalb in den entsprechenden Übungsphasen des Unterrichts gelegentlich unterfordert fühlen.

Dasselbe gilt aber auch im umgekehrten Fall: Wenn Ihre Kinder nach dem zweijährigen IaF-Unterricht in den auf Italienisch erteilten Regelunterricht integriert werden, bemühen sich unsere Lehrkräfte ebenso um die Förderung Ihrer Kinder in dieser neuen Sprache und dem Gebrauch der Fachterminologien.

Wir verstehen, dass manchen deutschen Kindern die Anforderungen der Schule in diesem Bereich als unmöglich erfüllbarer Anspruch vorkommen können und dass sie deshalb entmutigt sein dürften, weil nicht zu erkennen vermögen, wie sie jemals das sprachliche Niveau ihrer italienischen Klassenkameraden erreichen können. Gleichwohl erwerben sie im Verlauf der des Bildungsgangs eine Sprachkompetenz im Italienischen, die über der liegt, die sie erreichen könnten, wenn sie in Deutschland Italienisch als Fremdsprache erlernen würden.

Die Schule will, ich möchte es wiederholen, trotz dieser Gegebenheiten eine integrierte Begegnungsschule sein, weil, wie in unseren Leitzielen beschrieben, wir mit der Bilingualität allen unseren Schülern bikulturelle Bildungs- und Erziehungsvorstellungen vermitteln wollen.

Zu diesen Vorstellungen gehört auch, dass sich die Unterrichtsanlage unserer Lehrerinnen und Lehrer graduell unterscheidet: Schülerorientiertere Unterrichtsformen und eher lehrerzentrierter Unterricht wechseln miteinander ab, die Lehrbücher haben in der Regel eine größere Bedeutung als in Deutschland, weil sie die eigenständige Nacharbeitung und Vorbereitung des Unterrichtsstoffs in der anderen Sprache ermöglichen. Diese Formen des Unterrichtens haben ihren Wert in sich; sie sind teilweise in der unterschiedlichen Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer begründet und tragen indirekt zum von uns angestrebten interkulturellen Verständnis bei.

Sprechen Sie mit Ihren Kindern bitte auch darüber, wenn das altersgemäße Verständnis dafür angelegt ist, dass Sie, wie alle anderen Eltern auch, Schulgeld bezahlen. Unsere italienischen Familien melden ihre Kinder bei uns an, weil sie wissen, dass ein Schulabschluss an der DSM ihren Kindern im Studium und der späteren Berufstätigkeit wegen der Mehrsprachigkeit und der das deutsche Gymnasium auszeichnenden Allgemeinbildung große Vorteile bieten wird. Sie wissen auch, dass die Bundesrepublik Deutschland die Schule fördert, das heißt, durch entsandte Lehrer sowie Zuwendungen zum Schulbudget dazu beiträgt, dass wir unsere Ziele erreichen. Aus dieser Unterstützung lässt sich jedoch nicht ableiten, dass ihre Kinder eine andere Behandlung erwarten können als unsere italienischen Schüler, die, falls sie noch schulpflichtig sind, „freiwillig" bei uns lernen, weil wir als Privatschule auch unterrichtsbegleitende Aktivitäten, wozu die Arbeitsgemeinschaften gehören, anbieten können.

Unsere Erfahrung sagt uns, dass Ihre Kinder spüren, ob Sie eine positive und gelassene Einstellung gegenüber dem Wechsel der Lebensumstände haben und sich auf unser Gastland und die Begegnung mit seinen Menschen freuen, seien es die Nachbarn, die Angestellten in Geschäften oder die Eltern von Klassenkameraden. Wenn Sie sich den neuen Herausforderungen und Erfahrungen gegenüber öffnen, unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Umstellung am besten, die ihnen gewiss schwerer fallen wir als Ihnen. Wenn Sie mit Ihren Kindern zusammen Italienisch lernen und zeigen, dass Sie die neue Sprache so oft wie möglich und gerne benutzen, werden Sie ihnen die besten und wirksamsten Vorbilder sein!

Wir kennen viele Kinder, die den „Sprung ins kalte Wasser" einer tief gehenden Veränderung sehr erfrischend finden, „kräftig drauflosstrampeln" und sich bald richtig wohl bei uns und in ihrer neuen Umgebung fühlen. Wir kennen aber auch Kinder, die wir gemeinsam, also deren Eltern und wir Lehrer, mit Geduld und Behutsamkeit begleiten müssen, denn die Integration fordert ihre Zeit; manche Eltern sprechen von einem halben Jahr.

In jedem Fall bitten wir Sie sehr herzlich, bald nach Schuljahresbeginn Kontakt mit den Klassenlehrern aufzunehmen und sich auf dem ersten Elternabend des neuen Schuljahres den anderen Eltern bekannt zu machen. Sie werden die Erfahrung machen, dass dies der beste Weg ist, auch Ihnen das Hineinfinden in die neuen Lebensumstände zu erleichtern.

Nach dem Halbjahreszeugnistermin findet ein nachmittäglicher Elternsprechtag statt. Erfahrungsgemäß dient diese Veranstaltung unter anderem auch dazu, dass sich Eltern und Fachlehrer miteinander bekannt machen, sofern dazu bisher noch keine Gelegenheit bestanden hatte. Da für diese Gespräche nur eine limitierte Zeit zur Verfügung steht, empfehle ich Ihnen, gesonderte Gesprächstermine mit den Lehrern Ihrer Kinder auszumachen, wenn Sie von ihnen umfassend über die Entwicklung Ihrer Kinder an unserer Schule informiert werden wollen. Unsere Lehrer stehen Ihnen in den Sprechstunden für diese Gespräche nach Anmeldung gerne zur Verfügung.

Außerhalb der Schule gibt es viele Möglichkeiten, an den Aktivitäten deutschsprachiger Institutionen teilzunehmen; hierzu zählen beispielsweise die Kirchengemeinden, der Deutsche Sportverein, das Österreichische Kulturforum oder der Verein StartingAbroad, deren Kontaktadressen wir Ihnen bei Bedarf gerne nennen.

Ihre schulischen Ansprechpartner sind in den meisten Fällen Frau Bernegger, die Sie und Ihre Kinder im Sekretariat betreut und ebenso wie Frau D'Amico alles weiß, Frau Knüpper, die Grundschulleiterin, Frau Grasberger, die Kindergartenleiterin, und ich. Bringen Sie, wenn es sich einrichten lässt, zu dieser ersten Begegnung mit uns auch Ihre Kinder mit, denn sie sind für uns die Hauptpersonen!


Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Schule Mailand
Heinrich Hachmöller
- Schulleiter -


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